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Thorsten Johanns (Klarinette) und Olivier Darbellay (Naturhorn) begeisterten mit einer musikalischen Rarität von Charles Koechlin: Die Kombination der beiden Instrumente wird selten gespielt. (Foto: Benekam)

Der Chiemgauer Musikfrühling »blüht« in allen Farben, an unterschiedlichen Konzertorten mit klassischen Konzerten der Extraklasse. Das fünfte Konzert unter dem Motto »The Art of Duo« in der St. Walburg-Kirche des Klosters Seeon fand so regen Zulauf, dass einige »zu spät entschlossene« Musikliebhaber nicht mehr in den Genuss kommen konnten.


Die Plätze in der kleinen und kunstvollen Walburgiskirche sind knapp bemessen. Durch ihre Bauweise verfügt sie über eine ausgesprochen gute Akustik – optimale Bedingungen für kleine, besonders feine Konzerte, wie beispielsweise die des Chiemgauer Musikfrühlings. Auf dem Programm standen vier Werke unterschiedlicher Komponisten, die jeweils von zwei Musikern – Duos in wechselnder Instrumentierung – zu Gehör kamen. Der Anfang war mit dem Duo in Es-Dur WoO 32 für Viola und Violoncello in den zwei Sätzen Allegro und Minuetto des großen Ludwig van Beethoven gemacht.

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Die Erklärung dafür, wieso das Werk auch den Beinamen »Duett mit zwei obligaten Augengläsern« hat, schickte Musikfrühling-Intendant Razvan Popovici augenzwinkernd voraus: Das Werk war einem befreundeten Cellisten gewidmet – und der war kurzsichtig. Den durchwegs anspruchsvoll geführten Cellopart des zweisätzigen Streichduos übernahm, aufs Genialste interpretierend, Justus Grimm (Violoncello). Kongenial an seiner Seite an der Viola überzeugte Razvan Popovici.

Mit dem zweiten Duo, einem Werk der britischen Komponistin Rebecca Clarke, bekamen die Zuhörer eine Rarität geboten: Dass ihr 1941 komponiertes Präludium, Allegro und Pastorale für Viola und Klarinette so selten gespielt wird, ist kaum zu verstehen. Passt doch die Kombination der beiden Instrumente zusammen wie Vanilleeis und Schokosauce. Das kurze Präludium vermittelt Weite, lässt eine Steppenlandschaft im Sonnenuntergang assoziieren, während das in getriebenen, lebhaften Rhythmen gesetzte Allegro immer wieder Spannungsbögen aufbaut und schließlich die Pastorale in schwebenden, lang gezogenen Tönen ausklingt, wie eine noch offene Frage – frisch und virtuos von Thorsten Johanns (Klarinette) und Razvan Popovici (Viola) interpretiert.

Optisch wie akustisch eine Attraktion war das im Anschluss gespielte Werk des französischen Komponisten Charles Koechlin, eine Auswahl aus »Les Confidences d’un Joueur« op. 141 für Klarinette und Horn. Da hatten die Besucher nämlich das Vergnügen, ein fantastisch virtuos gespieltes Naturhorn zu erleben und bekamen noch dazu eine recht ausführliche Beschreibung zu Spieltechnik und Entstehungsgeschichte dieses formschönen Horns. Olivier Darbellay (Naturhorn) demonstrierte, wie sich Töne durch Einbringen der Hand in den Schallbecher des Horns variieren lassen. Im Vorspiel zusammen mit Thorsten Johanns (Klarinette) hörte man deutlich den ursprünglichen Verwendungszweck (Jagd) des Instruments heraus.

Last but not least im Programm stand ein sehr avantgardistisches Werk des tschechischen Komponisten Erwin Schulhoff, das Duo für Violine und Violoncello in den Sätzen Moderato, Zingaresca. Allegro giocoso, Andantino und Moderato – eine, wie man sagen könnte Synthese aus Kunst- und Volksmusik im tschechischen Ton. Marc Bouchkov (Violine) und Torleif Thedeen (Violoncello) hatten nicht nur allergrößtes Vergnügen an der Interpretation des technisch enorm anspruchsvollen Werkes. Ihnen gelang es auch, in allen vier Sätzen die klangfarblichen und spieltechnischen Ressourcen der beiden Instrumente voll auszuschöpfen.

Wie Schulhoff selbst zu seinem 1925 komponierten Werk bemerkt hatte, sei Musik »niemals Philosophie«, sondern entspringe »dem ekstatischen Zustande«. So steckt sein Werk voller Überraschungsmomente, voller Furiosität und volkstümlicher Wildheit – für die Zuhörer in der Walburgiskirche ein unvergleichliches Klangabenteuer. Kirsten Benekam


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